Autor/in: Tobias Wiegelmann, Köln
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18. Dezember 2025

O-Antiphon
 

„O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel,
der du dem Mose im brennenden Dornbusch erschienen bist
und ihm auf dem Sinai das Gesetz gabst:
Komm, strecke deinen starken Arm aus und erlöse uns.“

In den letzten Tagen des Advents stimmt die Kirche in ihrem Abendgebet die sogenannten O-Antiphonen an. Kurze Kehrverse, die direkt an Christus gerichtet sind und die alttestamentliche Hoffnung mit dem Bekenntnis zu Christus verbinden. 

Die heutige Antiphon erinnert an die Offenbarung Gottes vor Mose am Sinai. Seit meiner Erstkommunion begleitet mich diese Erzählung durch mein Leben. Als kleines Kind hat es mich amüsiert, dass Gott dem Mose befiehlt, die Schuhe auszuziehen. Das war bei uns zu Hause auch üblich und ich habe mich gefragt, ob bei uns zu Hause auch „Heiliger Boden“ ist. 

Im Studium bin ich dann auf die Übersetzung von Martin Buber aufmerksam geworden. Dieser übersetzt an der Stelle: „Zieh deine Schuhe aus, Boden der Heiligung ist`s.“ Ein ganz neuer Blick für mich. Der brennende Dornbusch ist kein Ort, der zu verehren ist, sondern ein Ort, an dem Heilung – Heiligung geschieht.

Seit dieser Erkenntnis habe ich mir angewöhnt, vor schwierigen Begegnungen oder Momenten, vor denen ich mich fürchte, im Geiste die Schuhe auszuziehen, auf dass dort Heiligung geschehen möge. 

Manchmal begleite ich diese innerliche Geste mit einem kleinen Gebet. Und heute denke ich, dass diese Antiphon eigentlich ein schöner Text dafür wäre. 

Tobias Wiegelmann, Köln

 
 
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